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Archive for Mai 2011

Oktober 2010

  • Franz Irsigler und Arnold Lassotta: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker: Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt

Sehr, sehr umfangreich und informativ. Und nicht immer leicht zu lesen, weil die alten Erlasse und Dokumente nicht in modernes Deutsch „übersetzt“, sondern direkt übernommen wurden. Aber es ist die Mühe wert – es entsteht ein lebendiges und facettenreiches Bild von der Gesellschaft im Mittelalter und dem Leben in einer mittelalterlichen Stadt.

  • Liz Jensen: Endzeit

Spannend erzählt und ein bisschen beunruhigend. Eine großartig unangenehme Hauptfigur und ein fesselnder Wettlauf gegen die Zeit. Das „übersinnliche“ Element (das sich dann auch irgendwie erklären lässt) stört nicht im geringsten – dafür aber der kindische Eifersuchtsanfall der Ich-Erzählerin.

  • Ferdinand von Schirach: Verbrechen

Gut geschrieben. Einfach gut.

  • Renata Perty: Hilgensee

Renata Petry erschafft liebevoll-verschrobene Charaktere und bindet sie in eine schauderöse Krimihandlung ein. Die Auflösung ist blöd, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Schade nur, dass es keine Fortsetzung geben wird 🙂

  • Ich will leben!

Das Tagebuch eines pubertierenden Mädchens im stalinistischen Russland. Nina ist ein sehr kantiger, schwieriger Charakter, ich hatte meine Probleme mit ihr.

  • Antonio Tabucchi: Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro.

Spannend und richtig gut geschrieben.

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  • Martine Leavitt: Keturah

Eine sehr erfreuliche Überraschung! Ein junges Mädchen handelt mit dem Tod um das Leben der Menschen, die sie liebt. Und (inzwischen nicht mehr so überraschend) verliebt sich mit der Zeit in ihn. Keturah ist stolz, ein bisschen eigensinnig und vor allem kämpferisch. Sie erliegt eher widerwillig dem „Charme“ des Todes – und braucht dringend Zitronen 🙂

  • Arkadi Babtschenko: Ein guter Ort zum Sterben

Kurz und krass. Das Leben auf ein Minimum reduziert, Männer warten und kämpfen im Schlamm, Regen und Dunkelheit; versuchen jeden Tag für sich zu überleben – und kein Ende ist in Sicht. Schnörkellos erzählt und leicht beklemmend,

  • Thomas Finn: Weißer Schrecken

 

  • Michail Scholochow: Donkosaken

Hm. Also man muss nicht lange überlegen, bei wem Scholochows Sympathien lagen. Eindeutig bei den Kommunisten. Die Vertreter der alten Macht – Popen, Großbauern, allgemein „weiße“ – nutzen die aufrichtigen, ehrlichen und verzweifelten Bauern und Arbeiter aus und begegnet den Kommunisten mit grausiger Brutalität. So ist das. Gut und böse sind hier ganz klar verteilt. Eigentlich unerträglich. Wenn da nicht die Sprache wäre, mit der Scholochow immer wieder kleine Zauberkunststücke vollbringt.

  • Gerald Dickler: Prozesse, die Geschichte machten

Genau das, was der Name verspricht. Hintergrundinformationen zu den Prozessen um den französischen Offizier Dreyfuss, den Physiker Oppenheimer und den angeblichen Reichstagsbrandstifter. Und gleichzeitig ein Blick auf zeitgenössische Gesellschaft und Befindlichkeiten.

  • Qiu Xiaolong: Schwarz auf Rot

Inspektor Chen – gewohnt gut und schön zu lesen.

  • Stefan Slupetzky: Der Fall des Lemming

Eine Zufallsentdeckung. Ein wunderbarer Erzählton und ein ebenso wunderbarer Ermittler. Und der böse Humor scheint eine österreichische Spezialität zu sein 🙂

  • Thomas Müller: Bestie Mensch – Gierige Bestie

Hm. Thomas Müller schreibt erfreulich zurückhaltend und ist bemüht, alles Schreierische zu vermeiden. Er berichtet aus seiner langjährigen Tätigkeit und bietet interessante Einblicke. Aber – und dafür kann der Autor nichts – einfache Antworten kann er auch nicht bieten

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Meine Aprilbücher

(2010 natürlich :))

  • Anne George: O du Mörderische

Die beiden Southern Sisters ermitteln wieder. Cozy Crime wie es sein soll!

  • John Harvey: Verführung zum Tod

Der erste Krimi um den Ermittler Charlie Resnick. Und der ist auch das besondere an diesem Buch. Endlich hat sich ein Autor mal Mühe bei der Gestaltung seines Ermittlers gegeben. Daumen hoch! 🙂

  • Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte

Was soll ich sagen? Fforde, wie er sein muss. Gut, gut, gut!!!

  • Lilian Faschinger: Wiener Passion

Wundervoll! Erst war ich ein bisschen skeptisch, aber mit der Zeit sind mir alle Figuren so ans Herz gewachsen, dass ich das Buch nur mit Bedauern zugeschlagen habe. Lilian Faschinger erweckt außerdem das Wien des späten 19. Jahrhunderts so wundervoll zum Leben, dass man das Gefühl hat, wirklich schon einmal dort gewesen zu sein 🙂
Und wenn es schon um Wien geht, darf der Humor auch ein bissl bös sein.

  • Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders

Siehe oben 🙂

  • Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab

Wieder ein Krimi mit Harper Connelly. Wieder ein guter, spannender Schmöker.

  • Drei Herren im Bett, die Katze nicht zu vergessen

Ein bisschen … unentschlossen, das ganze. So richtig warm bin ich nicht damit geworden, aber irgendwie hat es mir auch wieder gefallen. Auf jeden Fall lesenswert.

  • Brian Falkner: Der Tomorrow-Code

Richtig spannend! Schön, dass es mal keine US-amerikanischen Jugendlichen sind, die die Welt retten müssen – da erfährt man gleich noch ein bisschen was über die Maori. 🙂
Außerdem ist die Ausgangssituation richtig gut – die Menschheit hat sich für die Erde ja wirklich eher als Krankheit denn als Segen erwiesen. Und das Ende? Sehr, sehr gut gemacht!

  • Keine Posaunen von Jericho

Unglaublich viele Fakten, gut geschrieben und einfach gut. Natürlich bleibt nicht alles im Detail im Gedächtnis; aber zurück bleibt die Erkenntnis, dass vieles in der Bibel zwar nicht vollkommen fiktional ist, die historischen Tatsachen aber doch sehr stark uminterpretiert und überformt sind.

  • Ramiro Pinilla: Der Feigenbaum

Wenn man an Spanien denkt, fällt einem sicher nicht als erstes ein, dass dieses Land bis in die 70er eine faschistische Diktatur war, in der alles, was der sprachlichen, politischen, kulturellen und territorialen Einheit widersprach, grausam unterdrückt wurde. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich dieses „Duell“ zwischen einem baskischen Jungen und einem Falangisten, das mich lange nicht losgelassen hat.

  • John Harvey: Schlaf nicht zu lange

Gewohnt guter Krimi von einem gewohnt guten Autoren – auch ohne Charlie Resnick 🙂

  • Oliver Kalkofe: Geschafft! Wir sind blöd!

Oliver Kalkofes gesammelte Kolumnen. Einzeln sehr unterhaltsam böse, gesammelt werden sie mir mit der Zeit ein bisschen zu viel. Aber man kann ja auch in kleineren Dosen genießen 🙂

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Sommerlektüre

  • Jorun Thørring: Glaspuppen

Naja, ein Krimi eben. Spannend, aber immer wieder fall ich auf diese wahnsinniger-Serienmörder-treibt-sein-Unwesen-Variante rein. Und leider ist der Ermittler hier einfach nur unsympathisch. Ein ewig gereizter Mensch, der alle um sich ständig anblafft, ohne den geringsten Grund zu haben. Als dürfte ein Ermittler nicht auch mal gute Laune haben 😉

  • Ingrid Hedström: Die toten Mädchen von Villette

Ha, ein erfreulicher Krimi! Spannend, gut geschrieben, interessante Charaktere (und eine eher ungewöhnliche Ermittlerin!), glaubwürdig und mit einer plausiblen Lösung.

  • Jens Schumacher, Jens Lossau: Der Elbenschlächter

Krimi und Fantasy in einem. Normalerweise bin ich ja bei Autorenduos misstrauisch, aber die Lesung war so unterhaltsam, da war ich schnell überzeugt. Das Buch ist kein Meisterwerk und die Lösung des Kriminalfalls deutet sich recht früh an, aber man erkennt, wie viel Spaß die Autoren beim Bauen ihrer Welt und beim Ausgestalten ihrer Charaktere hatten, da kann man über den einen oder anderen Holperer hinwegsehen 🙂

  • Sara Shilo: Zwerge kommen hier keine

Sehr berührende, aus verschiedenen Perspektiven (das ist vor allem sprachlich schön umgesetzt) geschilderte Familiengeschichte aus Israel. Was passiert, wenn plötzlich der Vater und Ehemann gewaltsam zu Tode kommt (wie genau, ist nicht klar)? Zurück bleibt hier ein Familienrest, aus dem Vertrauten herausgerissene Menschen, die versuchen, sich an irgendetwas festzuhalten. Schön.

  • Carlos Ruiz Zafón: El principe de la niebla

Hm. Für mich etwas unbefriedigend. Vielleicht zu sehr Jugendfantasy. :/

  • Stephen King: Needful Things

Stephen King hat ein Auge für seine Figuren – und gerade deshalb musste ich nach einem Drittel aufgeben, weil es einfach zu deprimierend wurde. 🙂

  • Linda Castillo: Die Zahlen der Toten

Wieder ein verrückter Serienmörder. Aber diesmal funktioniert es besser (auch wenn ich auf einige Details in den Beschreibungen recht gut hätte verzichten können). Sehr interessant finde ich, wie die Ermittlerin bei ihrer Arbeit (aber auch privat) zwischen immer irgendwie zwischen zwei Welten steht: auf der einen Seite die Amischen und ihre Familie, die sie verlassen hat, auf der anderen die „Außenwelt“, in der sie auch nicht zu einhundert Prozent angekommen ist.

  • Friedrich Torberg: Mein ist die Rache

Gut. Fesselnd. Erschütternd.

  • Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen

Ich habe den Film (›Es geschah am helllichten Tag‹) schon öfter gesehen – unheimlich spannend – und wollte auch mal lesen, was Friedrich Dürrenmatt in seinem Roman draus gemacht hat. Teilweise liegen Film und Roman so nah beieinander, dass ich die Filmszenen vor Augen hatte – aber das Ende ist anders. Keine so „bequeme“ Lösung des Falles, zurück bleibt eine Gescheiterter.

  • Charlaine Harris: Falsches Grab
  • Charlaine Harris: Ein eiskaltes Grab

Die Romane um Harper Connelly verbinden eine gerade sehr beliebte Thematik (Kontakt mit Toten etc.) mit einem sehr angenehmen Erzählstil – und sind glücklicherweise frei von sehnend seufzenden Teenagern, lodernden Blicken und ähnlichem Romantasy-Schwurbel. Und dann auch noch eine Krimihandlung, die es in sich hat. Sehr erfreulich, insgesamt 🙂

  • Tschingis Aitmatov: Dshamilija

Schööööne und stille Liebesgeschichte. Und mit einem hoffnungsvollen Ende, was ja bei Liebesgeschichten in der Literatur eher selten vorkommt 🙂

  • Andy Stanton: Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum!

    Ganz wundervoll! Besonders wundervoll, weil es von Harry Rowohlt übersetzt (und das Hörbuch auch von ihm gelesen!! Genauso wundervoll!!) ist. Schräg, irr und voller Freude an Sprache und am Schrägsein!

  • Enrique Cortés: Der 26. Stock

Übel, grauenhaft und einfach nur schlecht. Noch dazu weckt der Klappentext völlig falsche Erwartungen. Aber  bei dem Buch ist das noch das geringste von vielen Problemen. Platte (und vollkommen uninteressante) Charaktere, Handlungsstränge, die mit viel Tamtam eingeführt und dann unvermittelt wieder aufgegeben werden, „Aufbauen“ von Spannung mit dem Holzhammer, mehr als dürftige Handlungsmotivationen … und eine unglaublich dämliche „Auflösung“. Ja, der menschenverschlingende Schleimblob in den obersten Stockwerk und der handgeschnitzte Jesussymbolikrettungsfisch ist sogar noch fürchterlicher als alles, was Dan Brown seinen Lesern zumutet. Das soll was heißen.

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  • Tom Drury: Die Traumjäger

Schön und poetisch. Viel mehr kann ich eigentlich gar nicht dazu sagen.

  • Jennifer Brown: Die Hassliste

Ich wein ja sehr selten bei Bücher, aber hier ist es wieder mal passiert … Jennifer Brown beschreibt unheimlich eindringlich und einfühlsam, wie ein Valerie zwischen Trauma, Wut, Trauer und Schuldgefühlen versucht, sich  von Tag zu Tag in ein neues Leben zu kämpfen. Keine einfachen, bequemen Antworten.

  • Johan Harstad: Darlah

Hui, sehr spannend und auch verstörend. Interessante Figuren, langsam aber stetig wird ohne große Action Spannung aufgebaut – geschickte Andeutungen, die gerade genug und nie zu viel verraten. Die Wendung am Schluss ist sehr gut, aber keine absolute Überraschung. 🙂

  • Ilja Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit

Gut geschrieben; es geht weniger um die Enthüllung wahnsinnig überraschender Neuigkeiten, vielmehr versuchen die Autoren eine kurze Darstellung von ziemlich unangenehmen Veränderungen in Politik und Gesellschaft. Auf jeden Fall empfehlenswert.

  • Fiona Patton: The Stone Prince

Ich hatte ja fast die Hoffnung aufgegeben, Fantasy ohne schimmernde Untote, betörende Zombies/Gestaltwandler/Nixen/Feen/Engel und dahinschmelzende Teenies zu finden. Und man muss wohl wirklich etwas in die Vergangenheit wühlen. Aber es lohnt sich J ›The Stone Prince‹ ist gute Fantasy mit einer schön gestalteten Welt, natürlich mit vielen der üblichen Zutaten aber einem erfreulich anderen Aufbau der Gesellschaft. Gut gemachte Charaktere schaden auch nie 🙂

  • Petra Tessendorf: Der Wald steht schwarz und schweiget

Ein Krimi, dessen Lösung in der Vergangenheit liegt – das ist ja logischerweise meistens so, diesmal liegt die Vergangenheit etwas weiter zurück. Bei einem Klassentreffen werden Erinnerungen und alte Gefühle aufgewirbelt. Die Autorin beschreibt die Atmosphäre so gekonnt, dass ich die drückende, träge Stille des Hochsommers richtig spüren konnte; sowas kommt auch nicht allzu häufig vor 🙂

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